Mittwoch, 21. Juni 2017

Rezension | "Die Jagd – Am falschen Ort" von Claus Probst

Fischer Taschenbuch | Taschenbuch | 352 Seiten | 27. April 2017 | 978-3596036721

"Wie viele Menschen würden Sie töten, um sich selbst zu retten?" // Seite 162
  

Ein ganz normaler Mann wird Zeuge eines grausamen Verbrechens. Er wagt, das Richtige zu tun, und geht zur Polizei. Seine Aussage bringt einen mächtigen Mafia-Boss ins Gefängnis. Aber sein bisheriges Leben ist damit vorbei. Denn ab jetzt ist er ein Gejagter. Und er entwickelt erstaunliche Fähigkeiten.
Er ist mutig. Einer von den Guten, auf der Flucht vor der Rache der Mafia. Aber wer an seinem Leben hängt, sollte dennoch hoffen, ihm niemals zu begegnen.


Claus Probst arbeitet in eigener Praxis als Psychotherapeut und Kinder- und Jugendpsychiater. 2012 gewann er den Agatha-Christie-Preis. Nach »Nummer Zwei« und »Spiegelmord« ist dies sein dritter Thriller. Claus Probst lebt mit seiner Familie in Mannheim.


"Die Jagd" hat einen Ich-Erzähler, der von Anfang an klar macht, dass man seiner Narrative nicht vertrauen kann. Er erklärt, dass es nur seine Version der Ereignisse ist und manche Erinnerungen schon verblassen, da sie teilweise schon Jahre zurückliegen. Am Anfang nimmt man die Warnung nicht wirklich ernst, doch je weiter die Geschichte fortschreitet... man spürt, dass er paranoid ist und da man nur seine Sichtweise bekommt, kann man leider nicht beurteilen, ob seine Einschätzungen korrekt waren oder nicht. Somit schafft Probst es, dass man konstant alles hinterfragt und sich selbst am Ende nicht sicher sein kann, was nun eigentlich passiert ist.

Jonas Keller lebt ein vollkommen normales Leben - bis zu dem Tag, an dem er einen Mord beobachtet. Da der Täter weitreichende Verbindungen hat, muss Keller ins Zeugenschutzprogramm und alles aufgeben, was ihm lieb und teuer ist. Doch selbst dann kann er sich nicht sicher fühlen und es beginnt eine rasante Verfolgungsjagd durch verschiedene europäische Länder. Dem Autor ist es gelungen, die Spannung konstant hoch zu halten und auch atmosphärisch ist die Geschichte dicht. Die Gefühle und Gedanken des Protagonisten versetzen den Leser in seine Situation und man stellt sich unweigerlich die Frage, wie man selbst sich fühlen, wie man handeln würde. Die Geschichte beschwört auf jeden Fall unbequeme Gedanken herauf. Schon zu Beginn wird klar gemacht, dass die Moral verdreht und verquer ist und obwohl mir klar ist, dass es die Intention des Autors war, den Leser an die Grenzen zu führen und ihm ein ungeschöntes, unbequemes Bild zu zeigen, ging mir die Entwicklung doch ein wenig zu weit und das hat mir - obwohl die Geschichte brillant konzipiert und sehr spannend ist - den Lesespaß etwas verleidet.

Davon abgesehen hat mir "Die Jagd" gefallen. Trotz allem ist der Protagonist sympathisch und seine Situation ist unglaublich tragisch, sodass man definitiv mit ihm mitfühlen kann. Auch die Entwicklung ist nachvollziehbar und die Erzählart hat dazu beigetragen, die Spannung aufrecht zu erhalten.


Kennt ihr das Buch schon?
Oder seid ihr neugierig darauf geworden?
Noch eine schöne Woche :)

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