Freitag, 26. Februar 2016

Rezension | "Der rauchblaue Fluss" von Amitav Ghosh

Heyne Verlag | Hardcover | 720 Seiten | 19. November 2012 | 978-3896673602
Originaltitel: River of Smoke (2011)

"Irgendwann wird alles andere vergessen sein. Fanqui-Town und seine Freundschaften, das Opium und die Blumenboote, vielleicht sogar diese Bilder. // Seite 678
Reihenfolge der "Ibis-Trilogie"
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Das mohnrote Meer / Sea of Poppies (1)
Der rauchblaue Fluss / River of Smoke (2)
/ Flood of Fire (3)

Inhalt
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Ein monumentaler Roman über Ruhm und Leid in einer frühen Ära der Globalisierung.
Kanton 1838: Über den sagenumwobenen Perlfluss erreichen Glückssucher aus aller Welt die chinesische Hafenstadt. Der Opiumhandel floriert und die Kaufleute machen damit das Geschäft ihres Lebens. Doch dann will der chinesische Kaiser die Droge verbieten und plötzlich stehen alle Zeichen auf Krieg.
Atmosphärisch, sinnenfreudig, magisch - Amitav Ghosh erweckt in seinem neuen Epos das faszinierende China des 19. Jahrhunderts auf magische Weise zum Leben.

Der Autor (Quelle)
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Amitav Ghosh, wurde 1956 in Kalkutta geboren und studierte Geschichte und Sozialanthropologie in Neu-Delhi. Nach seiner Promotion in Oxford unterrichtete er an verschiedenen Universitäten Indiens und Amerikas. Mit „Der Glaspalast“gelang dem schon vielfach ausgezeichneten Autor weltweit der große Durchbruch. Ghosh lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in New York, verbringt jedoch jedes Jahr mehrere Monate in Indien.

Aufbau
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Erster Teil - Inseln
Zweiter Teil - Kanton
Dritter Teil - Kommissar Lin
Danksagung
Glossar

Meinung
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Dieses Buch war ein bisschen enttäuschend. Nach dem abrupten Ende von "Das mohnrote Meer" hatte ich erwartet, dass der zweite Band mehr oder weniger dort weiter gehen würde, wo der erste aufgehört hatte. Das war aber leider gar nicht, was passiert ist. Wir haben ein wenig darüber erfahren, was mit den uns bereits bekannten Charakteren passiert ist, aber ein Großteil der Handlung dreht sich um neue Figuren. Für sich genommen ist das nicht schlecht - einige der Charaktere waren ziemlich interessant und konnten neue Einblicke liefern - aber ich war trotzdem enttäuscht.
Mein größtes Problem mit "Der rauchblaue Fluss" ist aber, dass es sich anfühlt, als würde ... nichts passieren. Natürlich ist das nicht der Fall (den Protagonisten passiert so einiges), aber ich hatte trotzdem nicht den Eindruck, als würde irgendetwas bedeutungsvolles passieren. Erst spät im Buch kommt der Konflikt, durch den der Erste Opiumkrieg ausgelöst wurde, wirklich auf und selbst dann ist nicht viel passiert. Insgesamt wird die Geschichte viel zu langsam erzählt und dem Buch hätten einige Kürzungen gut getan.

Natürlich war nicht alles schlecht. Wie sein Vorgänger ist "Der rauchblaue Fluss" gut geschrieben und recherchiert. Ich habe einiges über diese Zeit gelernt, was ich vor der Lektüre des Buches nicht wusste. Dies ändert aber nichts daran, dass ich stellenweise ziemlich gelangweilt war und nicht mit den Charakteren mitfühlen konnte... ich war nicht so sehr an ihren Geschichten interessiert wie im vorherigen Band. Ein anderer Rezensent meinte, dass die Recherchearbeit wichtiger als die Charaktere zu sein schien und leider muss ich dem zustimmen. Ghosh beschreibt das Leben im China des 19. Jahrhunderts detailliert (fast schon zu detailliert), doch das Innenleben der Figuren ist nicht so gut ausgearbeitet. Es gab dieses Mal auch keinen Punkt, an dem alle Einzelschicksale zusammentrafen und sich verbanden. Dies finde ich schade, weil es gerade das war, was mir an den verschiedenen Perspektiven in "Das mohnrote Meer" besonders gefallen hat.

Fazit
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Insgesamt kann ich nicht wirklich viel über das Buch sagen, was  zu großen Teilen daran liegt, dass meiner Meinung nach nichts wirklich wichtiges passiert ist und ich mich überwinden musste, nicht gelangweilt abzubrechen.
"Der rauchblaue Fluss" hat nur deshalb drei Sterne bekommen, weil die Beschreibungen wirklich gelungen und die Recherchearbeit vorzüglich war. Leider hat der Autor es nicht geschafft, die Ergebnisse seiner Recherche dadurch interessanter zu machen, indem er sie mit der Handlung verknüpft hat - beide Aspekte scheinen mehr oder weniger separat voneinander zu sein. Es ist wirklich schade, Ghosh hätte so viel mehr aus diesem Buch machen können...
★★★★ 3/5 Sternen

Links
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Leseprobe
Homepage des Autors (englisch)
Blog des Autors (englisch)

Kommentare:

  1. Huhu :-)

    eine interessante Rezi. Mir war diese Trilogie bisher unbekannt. Würdest Du sie, nachdem Du diesen eher enttäuschenden 2.Band gelesen hast dennoch weiter empfehlen?
    Liebe Grüße, Tanja ♡

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    1. Hey,

      danke :)
      Das ist schwer zu sagen... Band 2 war von den Charakteren her enttäuschend und es ist recht wenig passiert, aber viele Trilogien haben ja das Problem, dass der mittlere Band nur eine Art Vorbereitung für das Finale ist. Theoretisch ist es also möglich, dass Band 3 sehr gut ist, was den eher schwachen zweiten Band wettmachen würde.
      Von der Recherche her sind beide Bände sehr gut, das historische Setting ist unheimlich toll ausgearbeitet. Also würde ich sagen, dass zumindest "Das mohnrote Meer" deshalb eine Lektüre wert ist... vom Ende her abgesehen, wäre es möglich, ihn als Einzelband anzusehen. Und vielleicht würde dir Band 2 ja auch besser gefallen, die meisten Rezensionen, die ich dazu gesehen habe, haben das Buch besser bewertet als ich.

      Liebe Grüße,
      Kerstin

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    2. Okay, danke. Dann werde ich einfach mal in Band 1 reinlesen :-)
      Liebe Grüße und noch ein schönes Wochenende ♡
      Tanja

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    3. Alles klar, dann wünsche ich dir schon einmal viel Spaß :)
      Danke - dir auch ein schönes Rest-Wochenende!

      Liebe Grüße,
      Kerstin

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