Samstag, 16. Januar 2016

Rezension | "Die Nacht der Wölfin" von Kelley Armstrong

Droemer Knaur | Taschenbuch | 8,90€ | 479 Seiten | 1. September 2003 | 978-3426618110
Originaltitel: Bitten (2001)
Reihenfolge der "Otherworld"-Reihe
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Die Nacht der Wölfin / Bitten (1)
Rückkehr der Wölfin / Stolen (2)
Nacht der Hexen / Dime Store Magic (3)
Pakt der Hexen / Industrial Magic (4)
Nacht der Geister / Haunted (5)
Blut der Wölfin / Broken (6)
Lockruf der Toten / No Humans Involved (7)
Nacht der Dämonin / Personal Demon (8)
Living with the Dead (9)
Biss der Wölfin / Frostbitten (10)
Waking the Witch (11)
Spellbound (12)
Thirteen (13)

Inhalt
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Elena Michaels ist eine attraktive junge Journalistin, die sich eine ganz normale Beziehung wünscht. Nichts Besonderes, sollte man meinen. Doch Elena hat ein Geheimnis: Sie ist ein Werwolf. Die Frau im Wolfspelz.
Seit ein verflossener Lover sie biss, damit sie ihm ebenbürtig werde, führt Elena ein Leben zwischen den Welten, zwischen mühsam aufrecht erhaltener Alltagsroutine und dem unwiderstehlichen Trieb, sich nachts fortzuschleichen von ihrem ahnungslosen Freund Philip, sich zu wandeln und ihrer wilden Wolfsnatur nachzugeben: rennen, jagen, töten. Als ihr ehemaliges Rudel in Gefahr gerät und ums Überleben kämpft, muss sie sich entscheiden. Elena erkennt, dass Überleben für sie nur heißen kann, einer ihrer Welten Lebewohl zu sagen...

Die Autorin
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Kelley Armstrong wurde 1968 in Sudbury, Kanada, als älteste von vier Geschwistern geboren. Sie studierte Psychologie an der University of Western Ontario und Informatik am Fanshawe College. Weil sie schon als Kind schreiben wollte, wandte Armstrong sich bereits vor Abschluss des Informatik-Studiums der Schriftstellerei zu. Ihre erste Geschichte "Bitten" wurde 1999 verkauft und 2001 veröffentlicht. Nach diesem Erfolg schrieb sie weitere sechs Bücher und eine Anzahl von Kurzgeschichten der "Women of the Otherworld"-Serie, die alle zu New York Times-Bestsellern wurden. Seit 2002 ist Armstrong hauptberuflich Schriftstellerin. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Ontario. Mit ihren magischen Thrillern und insbesondere der Werwölfin Elena hat sie ein ganzes Genre begründet.

Meinung
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Die Nacht der Wölfin hat mir im Großen und Ganzen gut gefallen. Der Schreibstil der Autorin lässt sich gut und flüssig lesen und während zwar immer etwas passiert, sodass keine Langeweile aufkommt, ist die Handlung auch nicht überladen. Die Figuren sind alle recht gut gezeichnet; manche bleiben zwar ziemlich blass, da sie keine größere Rolle einnehmen, aber gerade die Rudelmitglieder kommen dennoch sympathisch rüber. Mein Lieblingscharakter ist Jeremy, der Alpha. Auch über ihn erfährt man nicht besonders viel, aber von allen Figuren konnte ich mich mit ihm (und seinem Ansatz der Problemlösung, auch wenn er nicht perfekt war) am meisten identifizieren. Aber auch Elena hat mir gefallen. Sie ist eine interessante Protagonistin und ihre Zerrissenheit in Bezug auf ihre "Welten" wirkt sehr glaubhaft. Sie hat zweifellos Fehler und ist nicht der umgänglichste Mensch, aber da sie die Ich-Erzählerin ist, steht der Leser ihr sehr nahe und kann mit ihr fühlen. Gerade die Werwolf-Aspekte ihres Daseins schildert sie sehr schön.

Ihre Liebesgeschichte mit Clay hätte mir theoretisch auch gefallen. Die beiden haben eine sehr komplizierte gemeinsame Geschichte, was zu einem sehr komplizierten, zwiespältigen aktuellen Verhältnis führt. Wie die Geschichte endet, kann sich jeder denken, und es hätte mir auch gefallen, wenn es da nicht ein kleines Problem gegeben hätte... Elenas Freund. Mich hat Elenas Verhalten ihm gegenüber sehr gestört, noch schlimmer fand ich aber, dass Philip eigentlich überhaupt keine Rolle spielt. Die Autorin hätte seine Figur wirklich streichen können und sie hätte, bis auf ein paar kleine Abweichungen, die gleiche Handlung gehabt. Er ist nicht einmal ein Faktor, der Elenas und Clays "Liebe" verkompliziert, da sie keinerlei schlechtes Gewissen ihm gegenüber hat. Deshalb tat er mir wirklich leid und das hat dazu geführt, dass ich die Liebesgeschichte nicht wirklich genießen konnte.

Abgesehen davon fand ich das Buch aber gut. Ich kenne nicht viele Werwolfsgeschichten, aber es wird viel mit den bekannten Klischees gespielt und Elena erklärt genau, welche für sie absolut nicht zutreffen. Ich hätte gerne noch mehr über die Werwölfe erfahren - die Entstehung fand ich interessant und auch, dass Elena die einzige Frau unter ihnen zu sein scheint. Vielleicht geht die Autorin ja in den Folgebänden noch mehr auf diese Hintergründe ein, doch selbst wenn nicht gibt sie genug Informationen, damit man der Geschichte folgen kann. Klar ist, dass ihre Werwölfe keine Kuscheltiere, aber auch keine Monster sind, was eine gute Balance darstellt.
Der Krimi-Aspekt hat mir besonders gut gefallen - ich fand es sehr interessant, wie die Werwölfe ihre besonderen Instinkte und Fähigkeiten einsetzten, um Spuren zu finden und die Ermittlungen zu führen. Doch auch, nachdem der Täter gefunden war, blieb es spannend, weil er sich nicht so einfach fassen ließ und das ganze natürlich nicht so einfach war, wie die Protagonisten es gerne hätten. Dies führte allerdings dazu, dass Elena einige Entscheidungen traf, die ich nicht nachvollziehen kann, selbst dann nicht, wenn man bedenkt, dass sie in einer schweren und emotionalen Situation war.

Fazit
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Insgesamt hat mir Die Nacht der Wölfin gut gefallen, wenn man einmal davon absieht, dass die Protagonistin mir stellenweise auf die Nerven ging.
Ob ich Band zwei lesen werde, weiß ich noch nicht, weil die Geschichte in sich abgeschlossen ist und die Leseprobe meine Neugier nicht wirklich geweckt hat, aber vermutlich werde ich ihn mir irgendwann holen.
★★★★ 4 (3,5)/5 Sterne

Links
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Homepage der Autorin
Leseprobe (englisch)

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Diese Rezension wurde ursprünglich am 3. Oktober 2014 hier veröffentlicht.

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