Montag, 10. April 2017

Rezension | "Heldenflucht" von Jan Kilman

Heyne | Taschenbuch | 512 Seiten | 13. März 2017 |  978-3453438378

"Die Männer, die zu ihnen zurückkehren würden, waren nicht die, die vor Jahren losgezogen waren. Sie hatten unvorstellbare Schrecken erlebt." // Seite 31
  

1918 – Deutschland nach dem großen Krieg … Das Land wird von Hungersnöten geplagt, die Daheimgebliebenen warten sehnsüchtig auf die Kriegsrückkehrer. In dieser düsteren Zeit begibt sich die Kriegsberichterstatterin Agnes Papen in die Eifel, in ihr Heimatdorf, das von den Wunden des Krieges heimgesucht wird, wie sich bald zeigt. Als die Bewohner einen stummen französischen Soldaten stellen, kommt eine Spirale der Gewalt in Gang. Menschen verschwinden spurlos, und in den Wäldern wird eine Leiche gefunden. Agnes beschließt, sich auf die Suche nach der Wahrheit zu machen …


Jan Kilman ist das Pseudonym eines bekannten deutschen Spannungsautors. Für seinen historischen Krimi »Heldenflucht« recherchierte Kilman intensiv über die Themen Kriegstraumata und Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg, begab sich an Kriegsschauplätze und las unzählige Feldpostbriefe dieser Zeit.


"Heldenflucht" wird als historischer Krimi vermarktet, aber meiner Meinung nach ist diese Einordnung nicht ganz zutreffend. Es gibt ein paar Krimi-Elemente, beispielsweise eine Leiche, und gerade gegen Ende spitzt die Handlung sich dramatisch zu, doch es gibt nicht wirklich Ermittlungen oder die Suche nach einem Täter. Stattdessen stehen die Schrecken des Ersten Weltkrieges und die Auswirkungen, die die Ereignisse auf die (Psyche der) beteiligten Menschen hatten, im Vordergrund. Dabei lernt der Leser die Bewohner des Dorfes Kirchbach kennen und obwohl viele Personen vorkommen, hatte ich zu keiner Zeit Probleme, sie auseinander zu halten und zuzuordnen, da der Autor sie alle gut charakterisiert hat. Von allen erfährt man etwas über ihre positiven und negativen Eigenschaften sowie darüber, wie der Krieg sie zerbrochen hat. Der Autor hat dabei genau und schonungslos dargestellt, wie die verschiedenen Personen beeinflusst wurden. Manche flüchten sich in Alkohol, andere haben sich in sich zurückgezogen, wieder andere haben Alpträume und dann gibt es noch jene, die vor Hass auf die Gegner ganz verbittert sind. Nicht jeder Charakter ist sympathisch, aber alle sind lebensecht und realistisch ausgearbeitet und man erfährt beim Lesen auch, dass der erste Eindruck täuschen kann und die Schäden viel tiefer gehen können, als man vermutet hätte.

Das Buch ist gut geschrieben und informativ; gefallen haben mir die Feldpostbriefe, die der Autor zwischen die einzelnen Kapiteln gesetzt hat und auch die Fakten über bedeutsame Ereignisse, die an einem bestimmten Tag stattgefunden haben. Dadurch wurde die Geschichte viel mehr in einen realen historischen Kontext eingebettet und es machte den Horror des Krieges noch greifbarer. Einige Szenen waren wirklich beklemmend und tragisch. Doch obwohl die körperlichen und seelischen Leiden der Charaktere im Vordergrund stehen, gibt es eine gewisse Spannung, nicht zuletzt durch die geheimnisvollen Vorgänge, die im Hintergrund stattfinden und die erst am Ende aufgeklärt werden.
Der Abschluss der Geschichte hat mir gefallen. Er ist realistisch, ergibt in Bezug auf die vorherige Handlung Sinn und man kann auf jeden Fall damit leben.


Verlagsseite
Leseprobe

Herzlichen Dank
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... an die Verlagsgruppe Random House für das Leseexemplar.

Kennt ihr das Buch schon?
Oder seid ihr neugierig darauf?
Noch eine schöne Woche :)

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