Mittwoch, 12. April 2017

Rezension | "Caraval" von Stephanie Garber

Piper | eBook | 400 Seiten | 20. März 2017 | 978-3492704168

"In ihren Augen brannten Tränen. Wieder erinnerte sie sich daran, dass dies hier nur ein Spiel war. Aber ein anderes, als sie erwartet hatte." // 31,5% | eBook


Scarlett Dragna fürchtet sich vor ihrem Vater, dem grausamen Governor der Insel Trisda. Sie träumt davon, ihrem Dasein zu entfliehen und Caraval zu besuchen, wo ein verzaubertes Spiel stattfindet. Doch ihr Wunsch erscheint unerreichbar – bis Scarlett von ihrer Schwester Donatella und dem geheimnisvollen Julian entführt wird, die ihr den Eintritt zu Caraval ermöglichen. Aber ist Caraval wirklich das, was Scarlett sich erhofft hat? Sobald das Spiel beginnt, kommen Scarlett Zweifel. Räume verändern auf magische Weise ihre Größe, Brücken führen plötzlich an andere Orte und verborgene Falltüren zeigen Scarlett den Weg in finstere Tunnel, in denen Realität und Zauber nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind. Und als ihre Schwester verschwindet, muss Scarlett feststellen, dass sich ein furchtbares Geheimnis hinter Caraval verbirgt ...

 
Auf die Geschichte rund um "Caraval" habe ich mich sehr gefreut, schließlich klingt der Klappentext sehr geheimnisvoll und auch interessant. Im Grunde habe ich von Caraval auch genau das bekommen, was ich erwartet hatte, nämlich eine tolle, einmalige, teils ein wenig verwirrende, aber auch sehr außergewöhnliche Geschichte, die den Leser in eine einzigartige Welt entführt.
 
Mich hat das ganze Buch absolut verzaubert und auch irgendwie von vorne bis hinten ein "Alice im Wunderland"-Gefühl hinterlassen. Nicht nur, weil der Plot leicht "abgedreht" ist, sondern auch, dass man schlichtweg in einer Welt gefangen ist, die sich mehr als real anfühlt und dir Versprechungen macht und doch eigentlich nur eine riesige Illustration einer verrückten Fantasie ist. Und auch wenn ich mich sehr wohl mit und in diesem Buch gefühlt habe und gerne Einblicke in "Caraval" erhalten habe, war ich doch froh, nur Zuschauer zu sein und nicht, wie Scarlett selbst, mitzuspielen.

Insgesamt empfand ich den Inhalt und die Handlungen als gut durchacht und auch logisch aufgebaut. Die vielen kleinen Nebengeschichten (Scarletts Verlobung, Julian, Scarletts Vater) haben eine gute Mischung an Romantik, Spannung, Überraschung und fieser, gemeiner und teils zwielichtiger Interaktion in das Buch gebracht und es so auch nie langweilig werden lassen. Es passiert viel in Scarletts Leben, sie hat mit einigen Dingen zu kämpfen. Vor allem, da sie gehofft hatte, einen Teil davon hinter sich lassen zu können. Was sich als Irrtum erweist.
 
Ebenso positiv habe ich das Setting und das World-Building empfunden. Caraval steckt voller kleiner Details und besonderen Eigenschaften, die mich als Leser durchgängig fasziniert haben. Zum Beispiel trägt Scarlett ein Kleid, das sich an ihre Stimmung anpasst, man kann Dinge mit Lebenszeit bezahlen, gespielt wird nachts und es gibt Säfte und Tränke zu jedem Anlass. Das alles empfand ich als sehr beeindruckend und besonders. So konnte ich mich nur noch mehr in "Caraval" verlieben.

Ein bisschen schwer habe ich mich allerdings mit den Charakteren getan. Bei Scarlett habe ich leider sehr lange gebraucht, um sie zu mögen oder ihr Verhalten und ihre Denkensweise zu akzeptieren bzw. zu verstehen, vor allem bei so einer Schwester und so einem Vater. Auch mit Julian hatte ich es anfangs nicht leicht, weil ich ihm ständig misstraut und irgendeinen Fehltritt erwartet habe. Mit Scarletts Schwester Tella bin ich bis zum Ende nicht wirkich klar gekommen, weil mich ihre egozentrische Art ziemlich genervt hat. Ihr komplettes Auftreten wirkte manchmal deplatziert, manchmal naiv und manchmal schlichtweg ignorant und besserwisserisch. Positive Charaktereigenschaften sind bei ihr leider nicht wirklich hängen geblieben. Alle anderen Figuren, wie zum Beispiel Scarletts Verlobter, ihr Vater, die Illusion von Legend usw., erschienen mir in Anbetracht einer solchen ausschweifenden und schillernden Geschichte viel zu blass und auch teilweise zu langweilig. Vielleicht lag das auch einfach daran, dass "Caraval" im Vordergrund steht und somit nicht viel Platz für ihre Geschichten und ihre Vergangenheiten war. Gerade im Bezug auf Scarletts und Tellas Vater scheint da noch viel im argen zu liegen. Hoffentlich wird mich die Autorin diesbezüglich im zweiten Teil mehr erreichen und begeistern können – das Ende deutet ja daraufhin, dass die Geschichte von "Caraval" noch nicht zu Ende erzählt ist.

Neben dem absolut schönen Cover hat mich auch der Schreibstil der Autorin überzeugt. Die eben aufgeführten Details und das World-Building sind nur ein Teil dessen, was ich an Stephanie Garbers Buch toll fand. Genauso gut fand ich die Beschreibung von Scarletts Gefühlen, der Aufbau von Spannungsmomenten, die Vermittlung der Atmosphäre und die angenehme und flüssige Sprache. Es spricht definitiv alles dafür, dass auch der zweite Teil bei mir einziehen wird.

Caraval ist eine gleichermaßen beeindruckende und magische Geschichte über das, was wirklich im Leben geschieht und das, was nur Illusion ist. Bis auf die Charaktere hat mich das Buch vollkommen überzeugen können und bietet ein tolles Leseerlebnis, das, mit ein bisschen Luft nach oben, auf einen zweiten Teil hindeutet und darauf vorbereitet. Eine klare Leseempfehlung.


 





Vielen Dank an Piper für das Rezensionsexemplar.
 Habt ihr Caraval schon gelesen?
Steht es auf eurer Wunschliste?
Ich wünsche euch eine schöne Restwoche!


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Kommentare:

  1. Hallo Julia,

    schon seit der Vorstellung des Buches bin ich zwiegespalten und bin mir unsicher, ob ich es lesen soll. Gerade dein "Problem" mit den Charakteren sorgt bei mir für ein nein und dann wieder ja, auf Grund der Geheimnisse an sich um Caraval...

    Ich werde mir mal noch weitere Meinungen durchlesen und dann entscheiden.

    Danke für deine Meinung und liebe Grüße,
    Uwe

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    1. Hallo Uwe,

      ich weiß, es ist immer schwierig, wenn man keinen Draht zu Charakteren hat, aber mit Scarlett kam ich doch relativ gut klar und die Geschichte rund um Caraval steht nun mal wirklich im Vordergrund. Ich fand das dann gar nicht so schlimm :)

      Liebste Grüße
      Julia

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  2. Hallöchen Julia =)

    Das Buch ist ja in den letzten Tagen kaum zu übersehen auf den Blogs. Mir sagt die Geschichte eher nicht zu. Ich denke nicht, dass ich es lesen werde, aber es freut mich, dass es dir gut gefallen hat =)

    LG
    Anja

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    1. Hallo Anja,

      die Geschichte ist schon eher speziell und außergewöhnlich. Da kann ich es schon verstehen, dass man das nicht unbedingt lesen will. Mich konnte der Klappentext überzeugen und ich war froh, dass mir das Buch doch so gut gefallen hat :)

      Liebste Grüße
      Julia

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