Montag, 23. Januar 2017

Rezension | "Als die Bücher flüstern lernten" von Felicitas Brandt

Impress | eBook | 312 Seiten | 5. Januar 2017 | B01M0PYF7P

"Ihr Anblick würde mir das Herz zusammenschnüren – wenn ich noch eins besäße. Aber mein Herz liegt in Trümmern in dieser Welt, die es nicht geben sollte." // eBook, 75%

Als Waisenkind hat die 17-jährige Hope schon früh gelernt, niemandem außer sich selbst zu vertrauen. Mit Ausnahme von ihren Büchern natürlich und den Geschichten, die diese ihr zuflüstern. Bis sie eines Nachts in das Haus einer reichen Familie einbricht, um sich in deren riesigen Bibliothek zu bedienen, und bei ihrem Buch-Streifzug auf frischer Tat ertappt wird. Während Hope schon aus reiner Gewohnheit eine Abwehrhaltung gegenüber dem absolut nerdigen, aber zugegebenermaßen ziemlich süßen Jungen einnimmt, scheint dieser alles andere im Sinn zu haben, als sie zu verraten. Doch noch bevor Hope herausfinden kann, was genau es mit diesem Sam auf sich hat, werden sie unverhofft in eines der Bücher hineingezogen und landen… ja, wo eigentlich?
 
Als die Bücher flüstern lernten ist nach "Zum Glück gibt's die Liebe" mein zweites Buch von Felicitas Brandt. Nachdem ich die Geschichte rund um Lilian und ihre Begleiter recht spannend fand, habe ich mich sehr auf ihr neues Werk gefreut – das mich leider nicht so überzeugen und mitreißen konnte wie das erste Buch, das ich von ihr gelesen habe.

Auf den ersten Blick muss ich sagen, stimmt bei Als die Bücher flüstern lernten einfach alles. Dieses Buch hat einen wunderschönen Titel, ein traumhaftes Cover, der Klappentext macht Lust auf mehr und die Idee ist einfach nur grandios. Ich hatte diesen Ansatz bisher auch in keinem anderen Buch so gelesen und war daher sehr gespannt auf die Ausführung, die bei mir leider nicht wirklich punkten konnte.

Aber zuerst einmal zu den Charakteren. Sam und Hope sind die beiden Hauptprotagonisten, die auf ihre eigene Art und Weise eigentlich sehr unterschiedlich sind. Während Sam meiner Meinung nach eigentlich eher als Nebenfigur agiert, hat er mich um einiges mehr überzeugen können als sein Gegenpart Hope. Sam ist einfach eine sehr tolle Persönlichkeit. Er baut andere Leute auf, zeigt ihnen ihre Stärken auf, er ist sehr nett, liebevoll und humorvoll und – bis auf seine Nerdigkeit in Bezug auf Filme und Videospiele :D – wahrscheinlich Schwiegermuttis Liebling. Er passt gut zu Hope und er lockert die Geschichte um einiges auf, weswegen ich auch froh bin, dass es ihn in diesem Buch gab. Denn ohne ihn, wäre ich vermutlich an der Hauptprotagonistin verzweifelt. Hope ist sehr negativ eingestellt, sie lässt sich sehr leicht reizen und versinkt oft in Selbstmitleid, das ich zwar aufgrund ihrer Kindheit und ihrer weiteren Geschichte sehr gut verstehen kann, was aber meiner Meinung nach einfach zu viel ausgeschlachtet wurde. Ihre Zurückweisung Sam gegenüber, obwohl er immer mit guten Ideen glänzt, sie vor allem beschützt und mehr als ein Mal sein Leben für sie riskiert, fand ich einfach völlig fehl am Platz. Ihre Zickigkeit habe ich teilweise wirklich nicht verstehen können. Trotz allem ist sie ein interessanter Charakter, der mehr als einmal den den Lauf der Geschichte voranbringt. In ihr und um sie herum herrschen viele Geheimnis, die dem Plot ein gewisses Extra geben.

Die Geschichte an sich fand ich schön aufgebaut. Die Reisen durch die verschiedenen Bücher, dass sie Hope zuflüstern, die Kämpfe, die sie und Sam dort austragen und die Verbindung mit einer ganz besonderes Welt heben die Kreativität der Autorin um einiges hervor, allerdings hat mir einfach ein wenig Tiefe und der rote Faden gefehlt. Es wirkte alles so oberflächlich und nicht wirklich zusammenhängend. Es gab sehr viele gute und spannende Szenen, aber gerade die Mitte konnte mich leider nicht mitreißen. Gerade, als die beiden ihre erste große Reise beendet haben, habe ich mich oft gefragt: "Und jetzt? Was soll jetzt noch passieren?" Auch das Ende war zu schnell abgehandelt. Während des gesamten Buches merkt man, dass es auf einen gewissen Höhepunkt hinausläuft und als dieser eintritt, ist er innerhalb einer kurzen Szene schon abgehakt. Es war für mich einfach unbefriedigend (falls es keinen zweiten Teil geben sollte...).

Der Schreibstil der Autorin ist sehr jugendlich gehalten, gerade in den Dialogen, was sicher nicht jedermanns Fall ist. Allerdings ließ sich das Buch so doch sehr flüssig und angenehm lesen und stellt gerade in Momenten, in denen man sich einfach nur entspannen will, keine große Herausforderung dar. Besonders gut gefallen hat mir natürlich die Andeutung von Büchern und Filmen und deren Helden. Ich mag solche Verbindungen sehr gerne und liebe es, wenn Bezug zu anderen Medien und Werken genommen wird.

Als die Bücher flüstern lernten ist ein schönes und interessantes Buch, das mich zwar packen, aber nicht vollends überzeugen konnte. Ich hatte etwas anderes erwartet, was der angenehme Schreibstil und die verschiedenen humorvollen Diskussionen der beiden Hauptprotagonisten teilweise wieder gutmachen konnten. Eine eventuelle Fortsetzung würde ich mir jedoch auf jeden Fall kaufen.


 





Vielen Dank an Netgalley für das Rezensionsexemplar.
 Habt ihr Als die Bücher flüstern lernten schon gelesen?
Steht es auf eurer Wunschliste?
Ich wünsche euch einen schönen Wochenstart!


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Das Urheberrecht des Klappentextes unterliegt dem Impress Verlag.
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