Mittwoch, 14. Dezember 2016

Rezension | "Der erste letzte Kuss" von Ali Harris

Blanvalet | Taschenbuch | 576 Seiten | 21. Dezember 2015 | 978-3-7341-0004-8 

"Denn wenn man weiß, dass Küsse endlich sind, dass jeder Kuss einem den Abschied näher bringt, fragt man sich, weshalb man so viele verschwendet hat." // Seite 478



Dies ist die Liebesgeschichte von Molly und Ryan. Es ist die Geschichte davon, wie sie sich zum ersten Mal küssen, als Ryan der beliebteste Junge des Städtchens ist und Molly eine unsichere Fünfzehnjährige – und davon wie dieser Kuss kein gutes Ende nimmt. Dies ist aber auch die Geschichte davon, wie sich Molly und Ryan Jahre später wieder begegnen und eine zweite Chance bekommen. Es ist wie ein wahr gewordener Traum. Doch dann müssen Molly und Ryan feststellen, dass Liebe allein manchmal einfach nicht genug ist. Es braucht auch den Mut, dafür zu kämpfen. Gerade dann, wenn einem das Glück plötzlich entgleitet …
 
Der erste letzte Kuss ist ein wunderschönes Buch über die verschiedenen Facetten der Liebe und die verschiedenen Arten von Küssen. Obwohl Ali Harris' Werk kleine Schwächen aufweist, hat es mich doch sehr bewegt und mich nachdenklich und auch todtraurig zurückgelassen. Wenn ihr also nicht so auf die Sad Stories steht, dann ist dieses Buch vielleicht nicht unbedingt was für euch.

Der Klappentext macht schon deutlich, dass sich die Beziehung zwischen den beiden Hauptprotagonisten Molly und Ryan in ständiger Entwicklung befindet, dass sie mit den verschiedensten und ausschweifendsten Problemen und Konflikten zu kämpfen haben. Herausgestochen ist das durch die unterschiedlichen Zeitschienen, die auf verschiedene Stationen von Molly und Ryans Liebe eingeht. Die Gegenwart nimmt zwar nur einen kleinen Teil ein, macht das Buch aber doch sehr spannend.  Molly ist in ihrem Zuhause und packt ihre Sachen für einen Umzug zusammen. Natürlich habe ich mich gefragt, wie das mit der Beziehung zwischen den beiden zusammenhängt und ob sie es letztlich doch nicht geschafft haben, zusammenzubleiben. Ob sie sich getrennt haben, ob Ryan vielleicht gestorben ist oder ob das Buch nur den Eindruck vermitteln möchte, dass die Beziehung geendet hat und letztlich doch alles in Ordnung ist?

Die beiden Hauptprotagonisten waren mir sehr sympathisch, obwohl ich nicht all ihre Entscheidungen mitgetragen und verstanden habe. Vor allem Molly war in ihrem Charakter sehr wankelmütig, wollte mal das eheliche Glück, mal Abenteuer, mal sesshaft werden, mal das Leben richtig ausschöpfen. Ich fand die beiden unglaublich süß zusammen, vor allem, da man all ihre Facetten kennen lernt, alle Probleme und Krisen einer Beziehung. Man sieht, dass auch perfekte Paare keine perfekte Beziehung führen, dass nicht immer alles rosarot ist und dass Liebe auch nicht immer schön und geborgen ist. Manchmal ist sie auch nun mal unbequem und schmerzhaft, was in Ali Harris Werk meiner Meinung nach perfekt zur Geltung kommt. Auch ich bin mit meiner ersten großen Liebe zusammen und muss viel lernen, viel akzeptieren, viele Kompromisse eingehen. Auch wir haben Streit und Krisen, aber man liebt sich trotzdem und möchte alles bekämpfen, was sich einem in den Weg stellt. Der erste letzte Kuss hat mich sehr bestärkt, hat mir gezeigt, dass man nicht verzagen darf und dass es keine Beziehung gibt, die keine Konflikte hat.

Anfangs hatte ich so meine Probleme mit den erzählten Zeiten. Sie sind sehr durcheinander und nicht chronologisch erzählt, so dass beispielsweise die Trennung vor dem ersten Kuss kommt, der Heiratsantrag vor dem Zusammenzug usw. Klar gekommen bin ich damit leider erst sehr spät, nämlich, nachdem ich nicht mehr auf die Zeiten als Kapitelanfang geachtet habe und zwanghaft versucht habe, sie in den Beziehungszeitstrahl einzuordnen. Ich habe vielmehr versucht, mich in der Geschichte fallen zu lassen, einfach nur zu lesen und so Stück für Stück zu erfahren, an welcher Beziehungsstelle ich mich gerade befinde. Das hat geklappt und hat das Buch doch sehr lesenswert für mich gemacht.

Ein weiterer Kritikpunkt ist für mich auch leider das Ende. Ich war wirklich gewillt, dem Buch 5 Sterne zu geben, einfach, weil es mich unterhalten und überzeugen konnte. Weil ich es wunderschön geschrieben finde, das Gefühl Liebe sehr schön dargestellt wurde und weil ich die Hauptprotagonisten an sich und in ihrem Umgang miteinander einfach toll fand. Aber leider hat das Ende mich nicht überzeugen können. Nachdem man alle Höhen und Tiefen von Molly und Ryan erlebt hat, ihre Geschichte ausführlich erzählt wurde, die beiden so viel überstehen mussten, erschien mir das Ende einfach nicht richtig: viel zu sehr Friede, Freude, Eierkuchen. Ich kann verstehen, dass die Autorin Hoffnung vermitteln will und dass man so viel im Leben erlebt haben und man trotzdem glücklich sein kann. Mir hätte ein Sad End schlicht und ergreifend besser gefallen. Nachdem ich die ein oder andere Träne wegen der Geschichte vergossen habe, hätte das für mich ein perfektes und rundes Ende ergeben. So leider nicht.

Ali Harris Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Anfang war ich von den 576 Seiten ein wenig überfordert, aber ich bin teilweise aufgrund des Schreibstils nur so über die Seiten geflogen. Ich konnte mich auch gut in Ryan und Molly hineinversetzen. Die Charaktere wirkten tiefgründig und real.

Der erste letzte Kuss ist wunderschön geschrieben und vermittelt eine einzigartige Sicht auf die Liebe und eine nicht perfekte Beziehung zwischen zwei Menschen, die sich über alles lieben. Das Ende fand ich enttäuschend, jedoch konnte mich der Rest der Geschichte überzeugen und mitreißen.


 





Vielen Dank an die Verlagsgruppe Random House für das Rezensionsexemplar.
 Habt ihr Der erste letzte Kuss schon gelesen?
Steht es auf eurer Wunschliste?
Ich wünsche euch eine schöne Restwoche!


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Das Urheberrecht des Klappentextes unterliegt der Verlagsgruppe Random House.
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