Montag, 26. September 2016

Rezension | "Weiß für Wut" von Jari Järvelä

 carl's books | Broschiert | 288 Seiten | 29. August 2016 | 978-3570585528


"Wen die Rachsucht packt, kann ohne Nahrung, ohne Schlaf und ohne Sex überleben. Rache substituiert Nahrung, Ruhe und Orgasmen. Rache ist sogar stärker als Liebe." // Seite 83/84


 
Ein 19-jähriges Mädchen, das sich »Metro« nennt, ist leidenschaftliche Street-Art-Künstlerin. Zusammen mit ihrem Freund kundschaftet sie täglich ungewöhnliche Orte aus, um sich dort heimlich mit ihren gesprayten Kunstwerken zu verewigen. Als sie eines Nachts entdeckt werden, stirbt ihr Freund bei einer Auseinandersetzung mit dem Sicherheitsdienst. Metro kann fliehen. Ihre Trauer entlädt sich in einem wütenden Racheplan: Sie will dem Mann, der ihren Freund auf dem Gewissen hat, das Leben zur Hölle machen. Mit ihren ganz eigenen Mitteln …

 
Weiß für Wut ist einer der besten Thriller, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Zwar hatte ich anfangs so meine Zweifel und auch Sorge, ob das Buch überhaupt das richtige für mich ist. Ich bin mit Graffitis und Streetart überhaupt nicht vertraut, kenne mich nicht aus und habe auch überhaupt keine Ahnung bezüglich des Slangs. Dank einem guten und einfachen Einstieg hatte ich jedoch schnell verstanden, was "Bazille", "Ratte" und "Piece" bedeuten und konnte mich auch voll und ganz auf die eigentliche Handlung konzentieren.

Bei eben dieser geht es um die zwei leidenschaftlichen Sprayer Metro und Rust, die eines Nachts beim Sprayen erwischt werden, woraufhin Rust bei einer Verfolgungsjagd stirbt. Metro, die den Tod ihres Freundes direkt miterlebt hat, ist anfangs todtraurig, schwört dann allerdings Rache. Da die Sicherheitsfirma den offiziellen Bericht gefälscht hat, schießt sich Metro auf Jere ein – ein Sicherheitsmann, der nur indirekt an Rusts Tod beteiligt war. Die Geschichte nimmt sehr schnell an Fahrt auf, schon anfangs wird sehr viel Spannung aufgebaut, die den Grundstein für die weitere Entwicklung legt.

Im Vordergrund stehen die zwei Hauptprotagonisten Jere und Metro, die durch diesen schrecklichen Unfall Teil des jeweils anderen Lebens werden. Der Plot wird dabei abwechselnd aus Sicht der beiden Figuren – Sprayerin und Wachmann – erzählt. Das hat mir ziemlich gut gefallen. Nicht nur, weil beide Charaktere sehr spannend sind und starke Persönlichkeiten haben, sondern auch, weil Metros Racheakt aus zwei unterschiedlichen, komplett gegensätzlichen Richtungen erzählt wird, nämlich aus Sicht der Opfer- und Täterrolle. Man fragt sich an so mancher Stelle, ob Metro nicht übertreibt; man kann sie aber auch sehr gut verstehen, denn schließlich hat sie den Tod ihres Freundes direkt miterlebt.

Man erfährt einiges über die beiden, was die Geschichte nicht nur packend macht, sondern auch ein breites Spektrum an Informationen bietet. Ich war oft sehr hin und her gerissen zwischen Metro und Jere, habe beide verstanden, beide Motivationen, beide Reaktionen und Emotionen. Das machte es mir nicht besonders einfach, das Ende, das dann doch sehr unerwartet ausgefallen ist, zu bewerten. Vor allem nicht mit Sicht auf die beiden weiteren Teile, die noch erscheinen sollen.

Ein kleiner Kritikpunkt gab es bei der doppelten Sichtweise. Normalerweise mag ich es, wenn ein Plot aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird und man so auch mehr Informationen und Emotionen miterlebt, allerdings kam es mir oft so vor, dass die gleiche Situation "wiedergekaut" wurde, vor allem, als der Thriller sich dem Ende nähert. Das hat mich ein wenig gestört, wurde aber durch den unerwarteten und tragischen Schluss durchaus wieder wettgemacht. Wahrscheinlich musste das einfach sein, um eine angemessene Dramatik aufzubauen.

An Debütbücher gehe ich normalerweise sehr vorsichtig heran, aber das war in diesem Fall überhaupt nicht nötig. Jari Järvelä hat einen tollen und flüssigen Schreibstil, dank dem ich nur so durch die Geschichte geflogen bin. Ich mochte die aufgebaute Spannung, die er meiner Meinung nach bis zum Schluss durchhalten konnte.

Auch das Cover gefällt mir ziemlich gut. Auf den ersten Blick war ich ein bisschen skeptisch und ich habe mich eher vom Klappentext mitreißen lassen, allerdings mag ich es mittlerweile sehr gerne und finde es sehr passend zu Metro und Jere. Es ist etwas besonderes und einmaliges, nimmt den Graffiti-Bezug auf und sieht sehr einschüchternd und rachsüchtig aus.

 
Weiß für Wut ist definitiv kein langweiliges und langgezogenes, sondern ein spannendes und actionsreiches Buch, das den perfekten Auftakt einer fesselnden Trilogie bildet. Die einnehmenden und starken Charaktere geben dem Plot eine einzigartige Note und macht definitiv Lust auf den zweiten Teil. Ein empfehlenswertes Buch.



 




Vielen Dank an die Verlagsgruppe Random House für das Rezensionsexemplar.
Habt ihr Weiß für Wut schon gelesen?
Oder steht es auf eurer Wunschliste?
Ich wünsche euch ein schönes Wochenende.

-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Das Urheberrecht des Klappentextes unterliegt der Verlagsgruppe Random House.
Das Urheberrecht des Titelbilds unterliegt einzig und allein der Blogredaktion.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen