Montag, 15. August 2016

Rezension | "So wie die Hoffnung lebt" von Susanna Ernst

Knaur | Taschenbuch | 480 Seiten | 01. August 2016 | 978-3-426-51905-9

"Danach blieb ich still. Vollkommen still, für eine ewig lange Zeit. Denn ja, Herzen brechen lautlos." // Seite 18


 
Woran hältst du fest, wenn du alles verlierst? Als sich Katie und Jonah kennenlernen, geschieht ein kleines Wunder: Der sensible Junge dringt mit viel Einfühlungsvermögen und seinem außergewöhnlichen Talent für die Malerei zu dem Mädchen durch, das sich nach einer fürchterlichen Familienkatastrophe von allem zurückgezogen hat und verstummt ist. Katie beginnt wieder zu sprechen. Doch als aus ihrer Freundschaft viele Jahre später zarte Liebe keimt, schlägt das Schicksal erneut zu … 

 
So wie die Hoffnung lebt ist ein wunderschönes Werk; ein Volltreffer im Bereich Emotionen und Gefühle. Dies ist mein erstes Buch von Susanna Ernst, obwohl mir ihre anderen Bücher schon öfter mal aufgefallen sind. Ich habe von der ersten bis zur letzten Seite mitgefiebert und mitgelitten, denn Jonahs und Katies Geschichte hat mich berührt wie selten es je ein anderes Buch geschafft hat. Denn Susanna Ernst scheut nicht davor, die Hauptprotagonisten Verluste erleiden zu lassen, ihnen ein tragisches und mehr als bestürzendes Schicksal aufzuerlegen und sie vor einige Prüfungen zu stellen; während beide von Hoffnung getragen alles zu meistern scheinen und sich ihren Probleme stellen. Alleine der Prolog hat mir schon Tränen in die Augen getrieben – ebenso wie der Epilog.

Jonah und Katie verbindet beide eine grausame Vergangenheit. Sie lernen sich in einem Kinderheim kennen: zwei Waise, mit Albträumen konfrontiert und mit Rissen im Herzen geplagt. Während es Jonah nach dem Tod seiner Familie gelingt, damit umzugehen und eine Kompensation im Malen sucht, flüchtet sich Katie ins Schweigen und lässt niemanden an ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben. Die beiden süßen und unschuldigen Kinder, die wirklich unbeschreiblich mit ihrem Schicksal zu kämpfen haben, haben bei mir den Mutter- und Schutzinstinkt ausgelöst haben – denn kein Mensch sollte in jungen Jahren so viel Unheil und Schicksalsschläge erleben. Ich fühlte mich hilflos, als ich ihre Geschichten verfolgte. Dagegen habe ich beide als erwachsene Menschen wie Freunde in mein Herz geschlossen. Ihre Geschichte wirkt so greifbar und so real, emotional und berührend und absolut und unbestreibar echt.

Aber nicht nur die Hauptprotagonisten haben mich überzeugen können, auch viele Nebencharaktere. Zum Beispiel Jonahs besten Freund Milow – ebenfalls in dem Kinderheim aufgewachsen –, Katies Freundin Hope, die Heimleiter Tammy und Julius und letzten Endes auch Katies Angestellte Selma. Sie alle haben zu der wunderschönen Geschichte und zu ihrer Echtheit beigetragen.

Meine emotionale Bindung zu diesem Buch ist wohl auch Susanna Ernsts Schreibstil zu verdanken. Denn sie hat es nicht nur geschafft, jedem einzelnen ihrer Charaktere Leben einzuhauchen und mich mit ihrer wunderschönen und bildhaften Sprache zu fesseln, sondern sie hat auch bis zum letzten Kapitel Wendungen eingebaut, die mich überrascht und teils auch ein wenig geschockt haben. Vorhersehbar war für mich auf jeden Fall keine davon.

Das Cover hat mich – wie bei vielen anderen Büchern auch – erst zu Susanna Ernst und ihrer berührenden Geschichte gelockt, denn das Zusammenspiel von Blau und Rot und den kleinen silbernen Blättern hat mich direkt überzeugen können. Es ist kein außergewöhnliches oder detailliertes Cover, aber es ist ansprechend, ruhig und schön.

 
Ich habe selten eine so emotionale und berührende Geschichte gelesen wie die von Jonah und Katie in So wie die Hoffnung lebt. Das Buch lebt von den Charakteren, den Wendungen und der durchgehenden Hoffnung, dass doch bitte alles gut ausgehen wird. Ein Page-Turner, den ich absolut jedem empfehlen kann!



 

"Wir Menschen sind Überlebenskünstler und Meister darin, uns vor traumatischen Situationen abzuschirmen. Selbst wenn das bedeutet, die Tatsachen zu verdrehen." // Seite 23

"Auch heute noch, siebzehn Jahre später, habe ich oft das Gefühl, den Boden des Loches, in das wir damals stürzten, nach wie vor nicht erreicht zu haben." // Seite 180

 




 
Habt ihr So wie die Hoffnung lebt schon gelesen?
Steht es auf eurer Wunschliste? Oder liegt es auf eurem SuB?
Vielleicht wollt ihr einen Kommentar dalassen?
Ich wünsche euch einen schönen Wochenstart!

 
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