Samstag, 6. August 2016

Rezension | "Die Achse meiner Welt" von Dani Atkins

Knaur Verlag | Taschenbuch | 320 Seiten | 1. August 2014 978-3426515396

"Und meine Bedenken waren durchaus angebracht, denn ich wusste, dass es nicht das Wiedersehen mit den Lebenden war, was mir so schwerfallen würde." // Seite 31

Rachel ist jung, beliebt, verliebt und wird in wenigen Wochen ihr Traumstudium beginnen. Perfekt. Doch dann geschieht ein schrecklicher Unfall, der ihr alles nimmt. Sie verliert den besten Freund, ihre Zuversicht und die Balance. Jahre später wird ihre Welt zum zweiten Mal auf den Kopf gestellt. Denn als sie nach einem schweren Sturz im Krankenhaus erwacht, ist ihr Leben plötzlich so, wie sie es sich immer erhofft hat. Die damalige Tragödie hat es anscheinend nie gegeben. Ihr bester Freund lebt und ist an ihrer Seite. Wie kann das sein? Und wie fühlt sich Rachel in ihrem neuen Leben – mit dem Wissen über all das, was zuvor geschah?

Die Achse meiner Welt ist eines der Bücher, um die ich seit Ewigkeiten herumgeschlichen bin und als meine Bloggerpartnerin es mir zu Ostern geschenkt hat, lag es dann auch noch Monate lang auf meinem SuB. Jetzt konnte ich mich endlich aufraffen, das Buch zu lesen und wurde auch nicht enttäuscht.

Die Hauptprotagonistin Rachel war mir von Anfang an sehr sympathisch. Sie ist in etwa in meinem Alter, von daher fiel es mir auch überhaupt nicht schwer, mich in sie hineinzuversetzen. Geplatzte Träume, College, gescheiterte Beziehungen, alten Freunde, von denen man dachte, dass man niemals ohne sie kann, mit ihnen kaum noch Kontakt gehalten – wer, der Gymnasium/Realschule/usw. hinter sich hat und mitten im Leben steht, kennt das denn nicht? Während ich in der ersten Geschichte sehr schnell mit ihr warm geworden bin, war ich in der zweiten nicht immer gleicher Meinung mit ihr. Ich wäre auch ziemlich verwundert, wenn ich aufwachen würde und mein toter Freund steht an meinem Bett; ein Polizist, der mich befragen will und niemand scheint es komisch zu finden. Und ich würde auch erstmal alles von mir schieben, mir Gedanken machen, wie das sein kann und ob ich nich doch vielleicht in einem Traum feststecke und ich nur aufwachen muss. Was mich aber an ihr gestört hat, war, dass sie – und das vor allem im Umgang mit ihrem Verlobten Matt – ihn und andere für Dinge verurteilt, vor denen sie selbst in keinster Weise zurückschreckt bzw. zurückgeschreckt ist. Sie misst mit zweierlei Maß, sich selbst und ihren Freunde gegenüber und das konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen. Trotzdem erschien ist mir als ein starker Charakter; ein wenig lädiert aufgrund der unlogischen Kollision zweier Welten.

Die Autorin liefert mit ihrem Werk hier eine wundervolle Geschichte darüber, was sich wahrscheinlich jeder schon ein Mal in seinem Leben gewünscht hat: eine zweite Chance bekommen, Dinge rückgängig machen und tote Menschen mehr wertschätzen, als wir es zu Lebzeiten getan haben. All das bekommt die Hauptprotagonistin Rachel hier geboten – womit sie selbstverständlich sehr überfordert ist.

Ich war selbst anfangs sehr verwirrt, als die Geschichten plötzlich und ohne Vorwarnung beginnen, ineinander zu laufen. Die neue Geschichte beginnt einfach mit einem neuen Kapitel, nachdem Rachel neben Jimmys Grab zusammengebrochen ist. Ich war aber auch ebenso sehr davon überrascht, dass Dani Atkins es geschafft hat, die beiden Storys so miteinander zu verbinden, dass zum Schluss beide einen Sinn ergeben und das Ende somit auch vollkommen logisch erscheint.

Was mich an dem Roman gestört hat, war die Vorhersehbarkeit; nämlich wie sich Rachel entwickelt, was mit ihrer Verlobung geschieht, dass Jimmy ihr hilft, herauszufinden, was mit ihr passiert ist. Das Ende hat es allerdings geschafft, das wieder wettzumachen – damit meine ich nicht unbedingt die logische Erklärung der Weltenverschiebung, sondern die letzten Sätze. Wie Dani Atkins mich damit bewegen und berühren konnte. Während des ganzes Buches habe ich mitgefiebert, Erklärungen gesucht, habe es für einen Traum gehalten und dann wieder nicht. Es war spannend, herauszufinden, wie alles mit Rachel zusammenhängt und wie sich die verschobenen Realitäten erklären lassen.

Dani Aktins' Schreibstil fand ich toll, gegen Ende auch sehr emotional. Sie konnte mich bewegen. Das Buch hatte ich innerhalb von Stunden fertig gelesen. Vor allem die autobiographischen Parallelen, die sie in ihrem Debütbuch verarbeitet – erklärt übrigens am Ende in einer Anmerkung – haben mich im Nachhinein auch vieles besser verstehen und klarer sehen lassen.

Das Cover finde ich wunderschön. Es ist nicht nur gut gestaltet und wirkt ansprechend, es setzt auch wunderbar die Geschichte des Romans in einem Bild um. Rachel, die zwischen zwei Welten schwebt, sich eher zu der einen Realität hingezogen fühlt, aber nun mal in die andere gehört. Auch die Gestaltung von Atkins' anderen Werken finde ich bezaubernd.

Die Achse meiner Welt ist ein perfektes Buch für zwischendurch, da es eine schöne und emotionale Geschichte liefert. Der unterhaltsame Schreibstil und der Wunsch, den wohl jeder von uns hat, wirkten fesselnd und machten das Werk zu etwas besonderem und empfehlenswertem.



Habt ihr das Buch schon gelesen?
Oder steht es auf eurer Wunschliste?
Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!

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