Samstag, 9. Juli 2016

Rezension | "Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance" von Estelle Laure

Fischer Verlag | Hardcover | 256 Seiten | 10. März 2016 | 978-3737353267

"Ich lache. Eden bringt mich zum Lachen. Ich habe das Gefühl, es ist lange her, dass ich zuletzt gelacht habe. Jahrhunderte." // Seite 41

Eigentlich hat Lucille Wichtigeres zu tun, als sich ausgerechnet in den vergebenen Zwillingsbruder ihrer besten Freundin zu verlieben. In ihrer Familie ist sie die Einzige, die die Dinge in die Hand nimmt: Geld verdienen, Rechnungen bezahlen, sich um ihre kleine Schwester kümmern. Da bleibt keine Zeit für große Gefühle. Aber wer kann sich schon wehren, wenn die wahre Liebe vor der Tür steht? Denn gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance.


Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance lässt mich ein wenig zwiegespalten zurück. Zum einen hatte ich aufgrund des Klappentextes eine andere Geschichte erwartet, eine herzzerreißende Erzählung über zwei junge Menschen, zwei Verliebte, die zusammen sein wollen, aber aus irgendeinem Grund nicht können. Viel Kummer, viele Tränen und Flüche auf die komplizierte Liebe und die noch komplizierten Jungs. Stattdessen bietet die Autorin mit ihrem Werk eine Geschichte rund um Lucille und ihr privates Dilemma, ihre schwierige Familie und die heiklen Probleme, die das Leben mit sich bringen kann. Digby, von dem ich mehr "Auftritte" erwartet hätte, trat dabei eher in den Hintergrund; er ist zwar sehr hilfsbereit, ein toller Kerl, der sich aber auch nicht so wirklich entscheiden kann, was er vom Leben will und was er für sich selbst gerne hätte. Ebenso wird ihm auch neben seiner Schwester Eden, die Lucilles beste Freundin ist, eher weniger Spielraum in der Story eingeräumt.

Zum anderen hat mich die Geschichte aber doch irgendwie überzeugen können. Ich fand Lucille sehr sympathisch, auch wenn sie ab und an an ihre Grenzen geriet und auch mal ihre schlechten Seiten zeigte. Die Hauptgeschichte und damit Lucilles Leben ist ein heikles Thema und auch wenn ich glaube, dass es so in der Realität nicht laufen würde (auch wenn Kinder auch mal im Sozialsystem verschwinden), war doch alles sehr glaubwürdig und für mich auch nachvollziehbar. Ich stellte mir ihre Lage sehr schwer vor. Als Minderjährige ist man sicher nicht in der Lage, sich alleine um ein typisches Erwachsen-Leben zu kümmern: Rechnungen bezahlen, regelmäßig kochen und einkaufen, sich um die Steuer kümmern, arbeiten, um Geld zu verdienen, in die Schule gehen und sich nebenbei noch um die 10-jährige Schwester kümmern, um ihr einen möglichst guten Mutter-Ersatz zu bieten.

Doch trotz allem kam mir Lucilles Geschichte viel zu kurz. Das Buch ist mit seinen 256 Seiten schon kein ausschweifendes Werk, doch die vielen Nebenstorys – Edens Unfall, Digbys Freundin, die Zeit in der Bar – haben den Platz genommen, um mehr über Lucille zu erfahren. Wie es in ihr aussieht, wie sie das alles schafft, was sie denkt und fühlt und welche Vorstellungen sie von der Zukunft hat. Das alles bleibt irgendwie zurück, kommt zu kurz und enttäuscht deswegen auch ein Stück weit.

Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen und ich konnte das Buch auch kaum aus der Hand legen, weil ich immer wieder wissen wollte, wie es weitergeht, welche Probleme als nächstes kommen und wie Lucilles das alles löst.

Auch das Cover ist ein echter Blickfang. Die kleinen Details, wie der Marienkäfer und der Schirm, finde ich besonders schön. Jedoch hat sich mir der Titel nicht wirklich erschlossen, da Lucille in dem gesamten Buch kaum Glück hat und sich immer wieder ihrem Schicksal beugt und ständig versucht, das beste aus der gegebenen Situation zu machen.

Trotz vieler Schwächen fand ich Gegen das Glück hat das Schicksal keine Chance ein wunderschönes Buch über die Jugend, über Kummer und darüber, dass man niemals aufgeben sollte, egal was kommt. Es ist ein leichtes Jugendbuch, das man kaum aus der Hand legen kann. Ich kann dieses Werk jedem nur empfehlen.




Habt ihr das Buch schon gelesen?
Wie fandet ihr es?
Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!


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Das Urheberrecht des Klappentextes unterliegt dem S. Fischer Verlag.
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