Freitag, 17. Juni 2016

Rezension | "Mein Herz wird dich finden" von Jessi Kerby

Fischer Verlag | Hardcover | 368 Seiten | 25. Februar 2016 | 978-3737353526

"Sein Herz hat so lange mir gehört, dass ich einfach wissen will, wo es jetzt ist." // Seite 19

 

400 Tage ist es her. Vor 400 Tagen ist Mias große Liebe bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Vor 400 Tagen hat Noah eine zweite Lebenschance bekommen. Als sie einander begegnen, spüren sie beide sofort, dass sie zusammen gehören. Doch nur Mia weiß, dass Noah ihr niemals begegnen wollte. Dass sie gegen seinen ausdrücklichen Willen gehandelt hat, als sie sich auf die Suche nach ihm gemacht hat. Dass Noah niemals wissen wollte, wer vor 400 Tagen ums Leben gekommen ist. Weil es irgendwie nicht richtig ist, dass er weiterleben darf – nur weil jemand anderes gestorben ist.
Doch für Mia ist es, als wäre die Welt plötzlich wieder in Ordnung. Als wäre das Leben wieder bunt und schön. Und als hätte sie Noah nicht verschwiegen, dass sie einander nur begegnet sind, weil sie wissen wollte, wer der Mensch ist, der das Spenderherz ihres Freundes bekommen hat. Doch wie glücklich darf sie nach Jacobs Tod eigentlich sein? Und wann wird aus Schweigen … Verrat? Mia muss Noah erzählen, wer sie ist. Aber was bedroht ihre Liebe mehr? Eine Lüge – oder die Wahrheit?

Mein Herz wird dich finden ist so ein typisches Buch – und jeder Blogger und so mancher Bücherfreak kennt das sicher – das man einfach unbedingt haben muss, das vorbestellt und am Erscheinungstag geliefert wird, das einen "Ehrenplatz" zwischen den anderen Büchern erhält und dann aus unerklärlichen Gründen aus dem Gedächtnis verschwindet. So war es bei mir und diesem Buch auch. Ich wollte es unbedingt haben, habe es vorbestellt und dann wochenlang in meinem Bücherregal vergessen. Doch jetzt habe ich es endlich geschafft, es zu lesen.

Vorneweg: Dieser Jugendroman hat einige Kritikpunkte. Es hat mich allerdings so berührt und nachdenklich gestimmt, dass mich der Gesamteindruck vollkommen überzeugen und bezaubern konnte. Und mit genau diesen Kritikpunkten möchte ich auch anfangen.

Etwas, was mich wirklich stört, sind Änderungen von Namen. Zugegebenermaßen habe ich nur die deutsche Ausgabe gelesen, doch wieso wurde der Name des Hauptprotagonisten von Colton (Englisch) zu Noah geändert? Und warum Quinn zu Mia? Und Trent zu Jacob? Normalerweise wäre mir das auch gar nicht aufgefallen, wenn sie zumindest auch den Spitznamen von Noah (im Buch "Colt" genannt) geändert hätten. Um der Verwirrung auf die Spur zu kommen, habe ich ein paar Rezensionen gelesen und habe daher die Namensänderung erfahren.

Mein zweiter Kritikpunkt ist die Länge des Buches. Für mich ist die Länge zwischen 300 und 400 Seiten optimal; in der Regel ausreichend, um sich auf die Geschichte und die Charaktere einzulassen und zu wenig, als dass sich große Langweile breitmachen kann. Doch letzten Endes kommt das Buch auf geschätzt unter 300 Seiten, da jedes neue Kapitel mit einem Zitat oder einem wissenschaftlichen Fakt auf einer eigenen Seite erscheint und dann oft zusätzlich noch zwei bis vier Seiten frei bleiben. Auch das würde mich eigentlich nicht stören, aber es vermittelt einen falschen Eindruck, vor allem, wenn man das Buch im Internet und nicht in der Buchhandlungen kauft und man sich auf die dort angegebenen Seitenzahlen verlassen muss.

Auch wenn mir die Geschichte sonst sehr gut gefallen hat, so hätte ich mir doch ein ausschweifendes Ende gewünscht. Ein klärendes Gespräch, Tränen, verzeihen. Das kam mir persönlich einfach zu kurz und der Schluss ein wenig zu abrupt.

Jetzt aber zu den guten Seiten: Die Autorin bietet mit diesem Roman eine wunderschöne und ebenso schmerzliche Geschichte zweier junger Erwachsenen, die in ihrem jungen Leben bereits mehr erlebt haben, als sie sollten. Mia ist mir dabei ein bisschen mehr ans Herz gewachsen, sie war mir auch von Anfang an sympathisch. Sie hat eben nur einen Fehler begangen: Nicht von Anfang an die Wahrheit zu sagen. Sie hat sich immer und immer mehr in ihre Geschichte und ihre Lügen verstrickt und irgendwann keinen Ausweg mehr gewusst, keinen perfekten Moment oder Zeitpunkt erwischt, den ich ihr so gewünscht hätte. Auch ihre Motivation konnte ich nachempfinden. Einfach diesen Menschen kennen lernen, der jetzt das Herz des verstorbenen Geliebten hat, sehen, wer es ist und Hoffnung schöpfen, Kraft tanken, abschließen und versuchen nach vorne zu sehen. Ich habe mit beiden mitgelitten, an manchen Stellen mehr mit Mia, an anderen mehr mit Noah.

Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen; so wie man es sich bei einem Jugendbuch eben wünscht: Leicht, locker, flüssig. An einem Stück durchlesen ist mit dem Schreibstil auf jeden Fall garantiert. Von dem Cover brauchen wir glaube ich gar nicht erst anzufangen. Mir hat es sehr gut gefallen; hat mich sogar auf das Buch aufmerksam werden lassen und war eines der Gründe, warum es auch letzten Endes in meinem Einkaufskorb gelandet ist.


Alles in allem erzählt Mein Herz wird dich finden eine runde und herzerwärmende Liebesgeschichte, die mich wirklich beeindrucken und fesseln konnte. Trotz Schwächen ist es ein wunderschönes Werk, das ich jedem empfehlen kann und das definitiv eins meiner Top-Bücher 2016 ist.


"Woher ich wusste, dass es um ihn ging, als ich kurz vor der Morgendämmerung von den Sirenen geweckt wurde – ich weiß es nicht." // Seite 9

"Im Moment ..." Er zieht mich enger an sich und küsst mich auf die Stirn. "Reicht das. Hier und jetzt bedeutet alles." // Seite 360





Habt ihr Mein Herz wird dich finden auch schon gelesen?
Wie fandet ihr es?
Ich wünsche euch einen schönen Start in das Wochenende!

Kommentare:

  1. Hallo Julia,
    ich habe das Buch auf Lovelybooks im Rahmen einer Leserunde gelesen und war ähnlich angetan wie du.
    Eine sehr schöne Rezension. Danke dafür.
    Liebste Grüße, Hibi

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    1. Hallo Hibi.
      Vielen Dank für deinen Kommentar! Ich freue mich immer Rückmeldung.
      Ein wirklich wirklich tolles Buch :)

      Liebe Grüße
      Julia

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