Samstag, 7. Mai 2016

Rezension | "Der Anschlag" von Stephen King

Heyne | eBook | 1056 Seiten | 23. Januar 2012 | 978-3641064402
Originaltitel: 11/22/63 (2011)

"Manchmal produzierte das Leben Zufälle, die kein Romanschriftsteller zu kopieren wagen würde." // Seite 199

  

Wenn die Vergangenheit grausam zuschlägt – Stephen King schreibt die amerikanische Geschichte neu
Am 22. November 1963 fielen in Dallas, Texas, drei Schüsse. John F. Kennedy starb, und die Welt veränderte sich für immer. Wenn man das Geschehene ungeschehen machen könnte – wären die Folgen es wert? Jake Epping kann in die Vergangenheit zurückkehren und will den Anschlag verhindern. Aber je näher er seinem Ziel kommt, umso vehementer wehrt sich die Vergangenheit gegen jede Änderung. Stephen Kings neuer großer Roman ist eine Tour de Force, die ihresgleichen sucht – voller spannender Action, tiefer Einsichten und großer Gefühle.


Stephen King, 1947 in Portland, Maine, geboren, ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Schriftsteller. Bislang haben sich seine Bücher weltweit über 400 Millionen Mal in mehr als 50 Sprachen verkauft. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Preise, darunter 2003 den Sonderpreis der National Book Foundation für sein Lebenswerk und 2015 mit dem »Edgar Allan Poe Award« den bedeutendsten kriminalliterarischen Preis für Mr. Mercedes. 2015 ehrte Präsident Barack Obama ihn zudem mit der National Medal of Arts.

Prolog
Teil 1 - Ein entscheidender Augenblick | 4 Kapitel
Teil 2 - Der Vater des Hausmeisters | 4 Kapitel
Teil 3 - In der Vergangenheit leben | 5 Kapitel
Teil 4 - Sadie und der General | 9 Kapitel
Teil 5 - 22. November 1963 | 6 Kapitel
Teil 6 - Der Mann mit der grünen Karte | 3 Kapitel
Abschließende Notizen
Bürgerin des Jahrhunderts (2012)
Nachwort des Autors

Jake ist der Ich-Erzähler der Geschichte.



"Der Anschlag" war mein erstes Buch von Stephen King; ich kann mit Horror überhaupt nichts anfangen und habe allein deshalb schon einen großen Bogen um seine Werke gemacht, doch "Der Anschlag" gehört einem anderen Genre an und entspricht meinem Beuteschema. Das Thema ist historisch und das Konzept faszinierend. Was würde passieren, wenn die Ermordung Kennedys verhindert werden könnte? Ginge es Amerika heute besser oder schlechter? Es ist ein interessantes Gedankenexperiment und in der Erwartung, dass ich das in diesem Buch bekommen würde, habe ich es gelesen.

Die Geschichte hat mich von Anfang an gepackt. King schreibt wahnsinnig gut und der Zeitreise-Aspekt tritt schon sehr früh auf, sodass die Handlung schnell spannend ist. Die Idee, dass es einen 'Kaninchenbau' gibt, durch den man in die Vergangenheit reisen kann, ist interessant und dass jede neue Reise ein Neustart ist, grenzt schon gleich die Möglichkeiten ein. Auch die Hintergründe dafür, wie Jake überhaupt auf die Idee kommt, in die Vergangenheit zu reisen, wurden gut erklärt, auch wenn er meiner Meinung nach zu schnell bereit war, sein Leben (und sei es nur für eine begrenzte Zeit) aufzugeben. Allerdings fand ich gut, dass er dem Freund, der ihm davon erzählte, nicht sofort glaubte, sondern eine Art 'Test' durchführen wollte, da dies sehr realistisch war.
Das Leben in der Vergangenheit hat der Autor ebenfalls gut und für mich authentisch dargestellt (obwohl Jake hier wieder ein bisschen zu begeistert von allem war, anstatt sein altes Leben in irgendeiner Form zu vermissen) und auch die Charaktere waren gut ausgearbeitet, sodass schon Nebenfiguren bleibende erste Eindrücke hinterlassen haben. Der Protagonist war mir sympathisch und es hat mir gut gefallen, dass er real wirkte, indem er unsicher war, nicht alles wusste und Fehler gemacht hat.

Obwohl "Der Anschlag" keine Horrorgeschichte ist, gibt es doch ein paar Elemente, die als Horror betrachtet werden können. Am auffälligsten sind hier natürlich die Anspielungen auf andere Werke Kings; so lebt der Protagonist beispielsweise für einige Zeit in Derry und die Ereignisse aus dem Werk "Es" werden erwähnt. Für die Fans von Kings Werken ist dies ein nettes Detail, aber ich persönlich hatte kurz Angst, dass das Buch doch noch in Richtung Horror abrutschen würde, was Gott sei Dank nicht passiert ist.
Ein weiterer Aspekt ist die Zeit, die sich dagegen wehrt, verändert zu werden. Das Konzept fand ich faszinierend, aber auch sehr beunruhigend, da die Zeit sich wirklich massiv darum bemüht hat, ihr Gleichgewicht zu wahren, sodass Jake einige schlimme Dinge zustoßen. Dadurch, dass es diesen 'Gegner' gab, war die Geschichte aber zweifellos spannender. Besonders gut gefallen hat mir, dass diese Vorkommnisse Jake dazu bewegen, über den Schmetterlingseffekt nachzudenken und wie schon eine Kleinigkeit große Auswirkungen haben kann. Gerade das Ende des Buches geht darauf ein und dies bringt den Protagonisten in einige Dilemmas.

In der Mitte der Geschichte gibt es einige Längen; die Schilderungen des Alltags und der Beschattungen waren für meinen Geschmack ein wenig zu lang und teilweise auch nicht wirklich von Bedeutung, aber sobald der Anschlag auf Kennedy kurz bevor steht, nimmt die Geschichte wieder an Fahrt auf, die geschilderten Ereignisse sind wieder relevant und je näher das große Ereignis rückt, desto spannender wird es; auch wenn ich nie wirklich daran gezweifelt habe, was passieren würde, hat der Autor es doch geschafft, so zu schreiben, dass man doch unsicher wird.
Das Attentat an sich hätte meiner Meinung nach noch etwas mehr behandelt werden können, doch das Ende fand ich sehr passend. Die offen gebliebenen Fragen wurden beantwortet, alle Fäden liefen zusammen und eigentlich hätte nichts anderes Sinn gemacht.


"Der Anschlag" hat mir, trotz einiger Längen in der Mitte, gut gefallen. Es ist eine interessante, ungewöhnliche Zeitreisegeschichte, die sich mit einem Thema beschäftigt, über das heute noch ausgiebig spekuliert wird, und King schafft es wirklich gut, darum herum eine spannende Handlung zu konstruieren.



Kennt ihr "Der Anschlag" schon?
Oder vielleicht andere Bücher von King?

Kommentare:

  1. Hallo Kerstin,

    schön, dass dir das Buch so gut gefallen hat. Mir war hat es sich mittendrin etwas zu sehr gezogen, obwohl ich es auch gern gelesen habe. Insgesamt mag ich Kings Bücher total gern.

    Liebe Grüße,
    Nicole

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey,
      danke für deinen Kommentar :)
      Der vierte Teil war für mich auch zäh, da sein Alltag viel zu ausführlich dargestellt wurde. Das war für mich nicht richtig relevant für die eigentliche Handlung und auch die Beschattungen Oswalds fand ich nicht interessant. Sobald der Anschlag aber näher rückte, nahm die Spannung meiner Meinung nach wieder zu :)
      Ich kann mit einem Großteil von Kings Büchern leider nichts anfangen, da ich Horror wie gesagt sehr abschreckend finde (ich bekomme leicht Alpträume). Ich habe aber gelesen, dass er noch andere "nicht-Horror"-Bücher hat, kannst du mir davon vielleicht eines empfehlen?

      Liebe Grüße,
      Kerstin

      Löschen
    2. Hallo Kerstin,

      also, "Mr Mercedes" und "Finderlohn" sind Krimis. Allerdings habe ich mich bei "Finderlohn" extrem gegruselt, weil King so eindringlich erzählt hat. Da muss es nicht immer Horror sein. "Die Arena" ist im Grunde auch nicht horrorlastig, weil die berüchtigte Kuppel in den Hintergrund rückt.

      Liebe Grüße,
      Nicole

      Löschen
    3. Hey,

      danke für die Empfehlungen :) Meine Schwester hat "Die Arena", also kann ich das Buch einmal 'antesten', und "Mr. Mercedes" klingt von der Inhaltsangabe auch gut. Ich werde es bei Gelegenheit lesen. Zu "Finderlohn" werde ich mir mal ein paar Rezensionen anschauen, um den 'Gruselgrad' besser einschätzen zu können.

      Liebe Grüße,
      Kerstin

      Löschen