Freitag, 15. April 2016

Rezension | "Dezembergeheimnis" von Caroline Richter

Schandtaten Verlag | Taschenbuch | 388 Seiten | März 2014 | 978-3944647074

"Er war wie eine Puppe, die noch geformt werden musste. Doch wollte sie jemanden, den sie sich selbst modellierte?" // Seite 38

Sich ihren Traummann ausmalen, welche Erscheinung und charakterlichen Vorzüge er haben soll … All das hat Lea getan. Bis ins kleinste Detail. Dass das Gespinst ihrer Tagträume eines Morgens urplötzlich in ihrer Küche steht, hätte Lea allerdings nicht erwartet. Und dass er das auch noch nackt tut, war gleich zweimal nicht geplant. Ein dummer Zufall? Ein Wunder? Oder ein verrückter Irrer, der ihre Bude ausräumen will? Lea geht stark von Letzterem aus, nur dass Noel sich so gar nicht wie ein verrückter Irrer verhält, sondern nach allen Regeln der Kunst versucht, ihr Herz für sich zu gewinnen. Auf einmal ist nichts mehr so, wie es vorher war und Leas Welt steht Kopf. Nie hätte sie gedacht, dass Noel und die mysteriöse Geschichte seiner Herkunft bald zu ihrem schönsten Geheimnis werden könnten.


Caroline Richter wurde 1989 in Erfurt geboren, studierte in Leipzig Anglistik und Kommunikations- und Medienwissenschaft, und macht derzeit ihren Master in Englischer Literatur in Berlin. Eigentlich wollte sie immer nur hinter den Kulissen arbeiten, wagte sich dann aber schließlich doch mit ihrem Debütroman "Dezembergeheimnis" in die Öffentlichkeit. Schon mit 14 Jahren schrieb sie ihre ersten Geschichten und gehört heute, im Alter von 23 Jahren, zu den jüngsten Liebesromanautorinnen in Deutschland.


Prolog
24 Kapitel
Epilog
Danksagung der Autorin

Ich kannte "Dezembergeheimnis" schon, als es noch eine Fanfiktion war - allerdings nur die halbe Geschichte, weil sie aufgrund der geplanten Veröffentlichung gelöscht wurde. Dementsprechend gespannt war ich darauf, wie es weitergehen und wie alles enden würde, sodass ich mich sehr gefreut habe, als ich das Buch endlich in den Händen hielt. Und was soll ich sagen? Es hat mir wirklich gut gefallen.

Allein die Prämisse ist sehr ungewöhnlich und interessant. Es gibt bestimmt viele Menschen, die sich ihren Traumpartner wünschen und es vielleicht sogar bedauert haben, ihn nicht nach eigenen Vorstellungen backen zu können. Wie aber würde man damit umgehen, wenn man tatsächlich einen Partner geschenkt bekommt, der alles ist, was man je wollte? Im ersten Moment klingt es sicherlich wunderbar, doch "Dezembergeheimnis" zeigt auf, dass dies auch Nachteile hat - kann man wirklich jemanden lieben, der exakt ist, was man selbst will, der keine eigene Persönlichkeit, keine abweichenden Meinungen hat? Natürlich nicht - und darum geht es in der Geschichte hauptsächlich. Noel, der "Traummann", muss erst entdecken, wer er selbst ist, bevor Lea sich in ihn verlieben kann. Es hat mir sehr gefallen, darüber zu lesen, wie sich die Beziehung der beiden und wie er sich weiterentwickelt. Beides geht Hand in Hand; Noel gewinnt an Selbstständigkeit, entdeckt, wer er ohne Lea ist und wird so immer mehr zu ihrem Traummann. Die aufkeimende Romanze zwischen ihnen ist sehr süß, fast schon wie ein Märchen. Dazu ist die Geschichte aber auch humorvoll und durchaus spannend. Das scheinbar perfekte Geschenk hat nämlich einen Haken, doch das erkennt Lea erst, als es fast zu spät ist...

Die Protagonisten sind sehr sympathisch und dazu recht runde Charaktere mit Fehlern und Schwächen (beispielsweise einem etwas nervigen Drang zum Überdramatisieren...). Die anderen Figuren sind ebenfalls gut ausgearbeitet und gerade Leas Leben außerhalb der Beziehung sorgt für viele nette kleine Nebenschauplätze.
Besonders gut gefallen hat mir Noel, der - man kann es kaum glauben - ein Kuchenmann ist. Die Autorin hat dies unglaublich gut durchdacht. So darf er nicht nass werden, weil der Teig, aus dem er besteht, sich dadurch auflösen würde, und er hat auch eine ganz spezielle Diät. Dazu kommt seine teils etwas naive und kindliche Art, da er (durch seine ungewöhnlichen Umstände) nur spezielle Dinge weiß, im Alltag aber nicht unbedingt zurechtkommt. Er wirkte sehr liebenswert und ihm dabei zuzusehen, wie er sich in der Welt zurechtfand, hat wirklich Spaß gemacht.

Das Ende an sich hat mir gut gefallen; es hat gut zum Rest der Geschichte gepasst und war noch einmal spannend und sehr emotional, aber ich bin mir nicht sicher, ob die Begründung mich vollständig überzeugt hat. Das ist aber nur ein kleines Detail, ansonsten fand ich den Abschluss sehr stimmig.


"Dezembergeheimnis" ist eine zuckersüße Liebesgeschichte mit fantastischen Elementen, die an ein modernes Märchen erinnert und bei der die Selbstfindung Noels im Vordergrund steht. Für die Adventszeit oder allgemein gemütliche Lesestunden kann ich das Buch wirklich empfehlen.


Kennt ihr das Buch schon und wenn ja, wie hat es euch gefallen?
Wenn nicht, seid ihr jetzt neugierig geworden?

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