Samstag, 2. April 2016

Rezension | "Der Knochenjäger" von Jeffery Deaver

Blanvalet | eBook | 577 Seiten | 15. Dezember 2014 | B00OW0EO7Y
Originaltitel: The Bone Collector (1997)

"Der Knochensammler betrachtete sie eingehend. [...] Er blickte tiefer, nahm ihre äußerlichen Mängel gar nicht wahr, sondern hatte nur das wunderbare, herrliche Skelett vor Augen." // Seite 325

Reihenfolge der "Lincoln Rhyme"-Reihe

Der Knochenjäger | The Bone Collector (1)
Letzter Tanz | The Coffin Dancer (2)
Der Insektensammler | The Empty Chair (3)
Das Gesicht des Drachen | The Stone Monkey (4)
Der faule Henker | The Vanished Man (5)
Das Teufelsspiel | The Twelfth Card (6)
Der gehetzte Uhrmacher | The Cold Moon (7)
Der Täuscher | The Broken Window (8)
Opferlämmer | The Burning Wire (9)
Todeszimmer | The Kill Room (10)
Der Giftzeichner | The Skin Collector (11)
The Steel Kiss (12)

  

Ein Serienkiller versetzt New York in Angst und Schrecken: Scheinbar wahllos verschleppt und tötet er unschuldige Menschen und hinterlässt an jedem Tatort einen obskuren Hinweis auf den nächsten Mord. Die letzte Hoffnung der Polizei ist der geniale Forensiker Lincoln Rhyme, der seit einem Arbeitsunfall querschnittsgelähmt ist. Die brutalen Fälle wecken sein Interesse – und nach und nach kommt ihm der Verdacht, dass er den Mörder kennen muss …


Ein gelähmter Expolizist und seine Assistentin, eine Verhörspezialistin und ein Location Scout: Das sind einige der ungewöhnlichen Protagonisten, auf die man in den Thrillern Jeffrey Deavers treffen kann. Mit dem Ermittlerpaar Lincoln Rhyme, Forensikexperte, und Amelia Sachs, junge Polizistin, wurde der US-Amerikaner berühmt. Der Erfolg als Autor ermöglichte es Deaver, seinen Beruf als Rechtsanwalt aufzugeben und sich ganz aufs Schreiben zu konzentrieren. Seine Werke sind inzwischen in mehr als 25 Sprachen übersetzt und erscheinen in etwa 150 Ländern weltweit. Für seine Bücher erhielt er u. a. den "Steel Dagger" der British Crime Writers' Association und den "Nero Wolfe Award".


Teil 1 - König für einen Tag | 7 Kapitel
Teil 2 - Locards Prinzip | 10 Kapitel
Teil 3 - Die Tochter des Streifenpolizisten | 9 Kapitel
Teil 4 - Bis auf die Knochen | 10 Kapitel
Teil 5 - Wenn man in Schwung ist, kriegt einen keiner | 1 Kapitel
Anhang | Auszüge aus dem Glossar zu Spurenlehre von Lincoln Rhyme
Anmerkung des Autors


Zunächst einmal möchte ich anmerken, dass ich den deutschen Titel des Buches etwas seltsam finde. Der englische Name würde übersetzt Knochensammler bedeuten und so wird der Mörder auch in der Geschichte selbst bezeichnet; deshalb verstehe ich nicht, wieso man das Buch anders benannt hat.

Die Geschichte selbst hat mir sehr gut gefallen, sie war von Anfang an interessant und blieb dies auch bis zuletzt.
Lincoln Rhyme ist in vielerlei Hinsicht ein außergewöhnlicher Protagonist - nicht nur, weil er querschnittsgelähmt ist, sondern auch aufgrund seiner Art, mit allem umzugehen und seinem enormen Wissen über verschiedene Aspekte der kriminaltechnischen Arbeit. Der Charakter hat Ecken und Kanten, ist rechthaberisch und teilweise auch unfreundlich, aber er war mir sehr sympathisch. Seine Behinderung an sich war meiner Meinung nach sehr realistisch, ohne etwas zu beschönigen, aber auch ohne unnötige dramatische Ausschmückungen, dargestellt. Es wird klar gemacht, dass seine Situation sehr schwer ist und stellenweise ist dies sehr beklemmend, vor allem, da der Autor kein Blatt vor den Mund nimmt und uns mit harten Fakten konfrontiert, aber mir hat gut gefallen, dass Rhyme trotz seiner Situation Möglichkeiten findet, langsam wieder Spaß am Leben zu haben.
Rhyme zur Seite gestellt ist Amelia Sachs, eine Streifenpolizistin. Ich muss zugeben, dass ich eine Weile gebraucht habe, um mit ihr warmzuwerden, doch nachdem sie und Lincoln ihre Differenzen beseitigen konnten, ist sie mir ebenfalls ans Herz gewachsen. Sie hat ebenfalls einige Fehler, was sie menschlich und echt macht. Vor allem die Entwicklung ihrer Beziehung zum Protagonisten war sehr schön dargestellt. Die Zusammenarbeit der beiden war wirklich gelungen und sie bilden ein gutes Team; ich bin schon gespannt, welche Fällen sie in den nächsten Büchern lösen werden.

Der Fall selbst war spannend und vor allem die Polizeiarbeit war wahnsinnig interessant beschrieben. Die Tatortbegehungen werden sehr detailliert geschildert, da Amelia sie vornimmt und Lincoln am Telefon alles beschreibt, was sie entdeckt. Dies hat mir gut gefallen, man hatte fast das Gefühl, selbst am Tatort zu stehen und nach Spuren zu suchen, um den (wirklich sehr intelligenten) Täter zu überführen. Ein schönes stilistisches Mittel hierbei war, dass der Autor regelmäßig einen 'Steckbrief' zum Mörder abgedruckt hat, der alle Informationen enthielt, die die Ermittler zu diesem Zeitpunkt hatten. So konnte man gut sehen, welche Fortschritte gemacht wurden. Die Auflösung hat mich dennoch überrascht, ich hatte den Täter überhaupt nicht im Verdacht. Die Enthüllung war allerdings überzeugend und plausibel, sie passte gut zum Rest der Geschichte und sorgte für einen durch und durch befriedigenden Abschluss.
Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass Fehlverhalten des Teams Konsequenzen hat, auch wenn sie nur temporär sind. So wird zum Beispiel nicht einfach übergangen, dass Rhyme aus dem Dienst ausgeschieden ist und eigentlich nicht mehr an Fällen arbeiten dürfte...

"Der Knochenjäger" ist eines der besten Bücher, die ich in der letzten Zeit gelesen habe. Es ist spannend und sehr gut geschrieben, bietet realistische, ungewöhnliche Protagonisten und einen interessanten Fall, bei dem es mir vor allem bei die detaillierten Beschreibungen der Ermittlungen angetan haben. Den kleinen Abzug gab es hauptsächlich wegen der Probleme, die ich anfänglich mit Amelia hatte.
Den zweiten Band der Reihe werde ich definitiv lesen.


Habt ihr "Der Knochenjäger" bereits gelesen?
Hat es euch gefallen?

Kommentare:

  1. Huhu! Und Oh, oh ... das ist ja wieder eine ewig lange Reihe! Da muss ich echt überlegen, ob ich mir das antue, ich hab ja schon so viele Reihen, die ich noch fertig lesen muss und so viele erste Teile auf dem SuB O.O
    Aber ich packs mir mal auf die Wunschliste, also den ersten Band, mal schauen, ob ich da in nächster Zeit dazu komme :D

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hey,

      danke für deinen Kommentar :)
      Ja, 12 Bücher ist nicht ohne.. aber wenn alle so gut sind wie der erste, würde ich das toll finden^^ Aber ich lese auch sehr gerne Reihen, wie man unter dem "Reihenfortschritt" erkennen kann. Ich habe auch noch sehr viele offene...
      Falls du das Buch lesen solltest, wünsche ich dir schon einmal viel Spaß damit :)

      Liebe Grüße,
      Kerstin

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