Montag, 14. Dezember 2015

Rezension | "Das Glück zum Greifen nah" von Kate Anthony


Blanvalet Verlag | Taschenbuch | 9,99 € | 416 Seiten | 20.07.2015 | 978-3734100109

„Ich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass es drei Arten von Ehen gibt: die richtig fabelhaften, die mittelmäßigen und die miesen." // Seite 403


Klappentext 
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Rachel Bidewell ist glücklich verheiratet. Leider gilt das nicht für ihren Mann, der sie gerade für eine jüngere Frau verlassen hat. Nun steht sie allein da, mit der Hypothek, einem sehr unordentlichen Haus und der Aufgabe, nicht nur ihr eigenes Herz wieder zu flicken, sondern auch die Herzen ihrer drei Kinder. Doch vor allem braucht sie dringend Geld. Bei ihrem neuen Job in einem Pflegeheim lernt sie Philip kennen, einen Mann, der in tiefer Trauer um seine Mutter ist, der einzigen Person, die sich je um ihn gekümmert hat. Nur zu Rachel fasst Philip Vertrauen. Es ist der Beginn einer unerwarteten, aber wunderbaren Freundschaft.

Bewertung
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Kate Anthony geht in ihrem Debütroman auf die sensiblen Themen soziale Pflege, Trennung und Liebe ein und gibt damit Einblick in eine Familie, die einiges durchgemacht hat und die versucht, Geschehenes zu bewältigen und nach vorne zu sehen.

Der Anfang des Buches hat es mir sehr schwer gemacht, mich richtig auf die Geschichte einzulassen und mich mit den Charakteren zu identifizieren. Rachel erschien mir sehr chaotisch, die Kinder – Alec, Luke und Jess – nervend und Rachels Ex-Ehemann Dom einfach nur arrogant. Doch je mehr Seiten ich gelesen habe, desto mehr bekam ich ein Gefühl für Rachel, ihre schreckliche Trennung und das Leiden der Kinder. Sie macht eine schlimme Lebenskrise durch, muss sich mehr oder weniger alleine um ihre drei Kinder kümmern, die sie trotz der vielen Probleme über alles liebt, und tritt einen neuen Job an, um sich über Wasser halten zu können. Während mich anfangs ihre chaotische und empfindliche Art abgeschreckt hat, wird mit jeder Seite des Buches klarer, warum sie so reagiert und wie sie sich fühlt und verdiente sich damit immer mehr meinen Respekt.

Obwohl sich der pflegebedürftige Philip kaum verständigen kann, ist er mir wegen des tollen Schreibstils und den Ausführungen über seine Lebensumstände ans Herz gewachsen. Seine eigene "Kommunikation" mit Rachel hat mich manchmal schockiert, manchmal nachdenklich, aber auch traurig gemacht. Im Umgang mit Philip konnte ich mich sehr gut in Rachel hineinversetzen und habe manche Hilflosigkeit, Wut und Resignation genauso sehr gefühlt, wie sie selbst.

Auch wenn ich mich am Beginn schwer getan habe, hat mir der Plot sehr gut gefallen. Die realitätsnahen Schilderungen der Überforderung, der Streitereien getrennter Eltern, der Anfeindungen zwischen Rachel und der neuen Frau ihres Ex-Ehemanns, der alltäglichen Probleme, des verzweifelten Versuchs das bessere Elternteil zu sein und der Suche nach einer Person, mit der man sich verbunden fühlt, haben die Geschichte gut abgeschlossen und mir ein klares Bild davon vermittelt, wie sehr Menschen um ihr Glück kämpfen müssen und dass längst nicht alles selbstverständlich ist. Das Ende – ein Brief von Rachel an die neue Ehefrau ihres Ex-Ehemanns – hat mich besonders beeindruckt und mich nachdenklich werden lassen.

Fazit
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Auch wenn es mir schwerfiel in die Geschichte einzusteigen, kann ich das Buch nur empfehlen. Die Geschichte rund um Rachel und ihre Familie hat mir sehr gut gefallen; ihre Arbeit mit dem angeschlagenen Philip macht den Plot auf seine eigene Art und Weise besonders.

Zitate
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"Wieder einmal hatte ich das Gefühl, als wäre Alec so was wie der Neffe einer alten Schulfreundin, der nach London zu Besuch gekommen war [...]“ // Seite 201

"Sobald man Kinder hatte, wurde man wahnsinnig schnell erwachsen [...]" // Seite 399

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Herzlichen Dank
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... geht an dieser Stelle an die Randomhouse Verlagsgruppe (insbesondere den Blanvalet-Verlag), der mir dieses Buch zum Erstellen einer Rezension zur Verfügung gestellt hat.



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